Tischlein deck dich
In Grimms Märchen vom "Tischlein deck' Dich" bringt der jüngste Sohn von seiner Wanderschaft drei Gaben mit: Den Tisch, der nach dem heute aktuellen ökologisch erwünschten Wirtschaftsprinzip der Nachhaltigkeit spontan immer wieder neu gedeckt wird - nennen wir ihn "the sustainable table", den Goldesel, der auf Befehl das begehrte Metall à discrétion hervorbringt, ein Wunschtraum nicht nur aller Banker sondern auch aller von Finanznöten geplagten Politiker, sowie den Knüppel, der - ebenfalls auf Befehl - die jeweilige Dosis von Gewalt hervorbringt, die es offenbar braucht, um die beiden andern Gaben zu schützen.

Der gedeckte Tisch könnte ein Sinnbild für unsere Wunschträume gegenüber der Natur sein, der "Goldesel" unsere Ansprüche an die Wirtschaft als Füllhorn und an den Staat als Allversorger symbolisieren. An den "Knüppel im Sack" werden wir nur ungern erinnert - er gehört zum Bereich von Polizei und Armee, zum Bereich der legitimen Gewalt.

Trotz dieser Unbeliebtheit war dieses Instrument im Märchen - und nicht nur dort...- jene Gabe, welche schliesslich die Herausgabe der vom betrügerischen Wirt entwendeten zwei ersten Gaben wieder ermöglichte. Wichtig ist vielleicht auch die Tatsache, dass der Knüppel nicht nur auf den Befehl "Knüppel aus dem Sack" in Aktion trat, sondern dass er auf den Befehl "Knüppel in den Sack" wieder aufhörte, was eine genaue Dosierung der Gewalt nach dem Prinzip der Notwendigkeit und der Notwehr ermöglicht. Immerhin, ohne Gewalt war das Eigentum an den zwei kostbaren Wunschgaben nicht zu sichern.

Erinnern wir uns, der böse Gastwirt im Gasthaus (nennen wir es "Gasthaus zur Weltordnung") nahm seinem Gast die beiden ersten Gaben mit List und Trug weg, und es war die dritte Gabe, der Knüppel, welcher erst eine Rückgabe von Tisch und Esel an den glücklichen Besitzer wieder möglich machte. Sicherheit geht vor Wohlergehen und Reichtum, sie ist eine in jeder Beziehung eine notwendige Voraussetzung.
Robert Nef, Leiter des liberalen Institutes, Zürich